2012-Jan30
0 Kommentare [Author: Gero Seher Category: Allgemeines ]
Was hat Biosprit mit Gesundheit zu tun? - Eigentlich nichts, weil er der Gesundheit eher kontraproduktiv gegenüber steht. Denn der Biosprit, der laut EU-Verordnung uns an den Tankstellen "verordnet" wird, trägt eher negativ zur Weltklimabilanz bei. Und das schadet letztlich auch unserer Gesundheit.

Zur Klarstellung - Die Vorsilbe "Bio" in Biosprit, Biodiesel, Bioenergie oder Biogas hat nichts mit ökologischem Landbau zu tun. Sie macht die Produkte nicht umweltverträglicher oder nachhaltiger. Dieses "Bio" weist lediglich darauf hin, dass die Energie aus pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen stammt.

Wo liegt das Problem? - Die Bundesregierung propagiert den Biosprit mit dem Satz: "Durch den Einsatz von E10 zum Beispiel können jährlich in Deutschland gegenüber fossilen Kraftstoffen Treibhausgase eingespart werden, die rund zwei bis drei Millionen Tonnen CO2 entsprechen".

Das mag unter bestimmten Umständen auf Deutschland bezogen stimmen. Aber schon wenn man berücksichtigt, dass durch die Förderung von Agrotreibstoffen allein in vier betrachteten Bundesländern zwischen 2005 und 2007 mehr als 60 Quadratkilometer ehemalige Moorböden von Grünland zu Ackerland umgewandelt wurden. In solchen Fällen werden durch den Umbau des Restmoorbodens jedes Jahr pro Hektar 30 bis 50 Tonnen CO2 freigesetzt, die in der Bilanz der später dort angebuaten Energiepflanzen negativ zu Buche schlagen (Eine Untersuchung des bundeseigenen von-Thünen-Instituts). Mit dem mittleren Wert von 40 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr gerchnet ergibt das bei 60 Quadratkilometern (= 6.000 Hektar) immerhin 240.000 Tonnen CO2, die von der oben genanten Zahl der Bundesregierung abgezogen werden dürfen.

In der Aussage der Bundesregierung steht auch nicht, wie sich unser Biospritverbrauch auf die gesamte Welt und das Weltklima auswirkt, sie spricht ja nur von Deutschland. Da zunehmend Biokraftsoffe oder deren Ausgangsstoffe importiert werden, müssen wir im gloabelen Zeitalter schon eine globale Betrachtung anstellen.

Für die Produktion der Biokraftstoffe wird zunehmend Anbaufläche benötigt. Längst nicht alle Rohstoffe kommen aus einheimischem Anbau.

2010 haben die Deutschen rund 3,8 Millionen Tonnen Biosprit getankt. Das entspricht knapp 6% des gesamten Kraftstoffverbrauchs. Zwei Drittel davon waren Biodiesel, ein Drittel Ethanol. Ein Zehntel der Ackerfläche war notwendig, um die Rohstoffe dafür zu gewinnen. Hinzu kommen noch Ackerflächen in anderen EU-Staaten, auf denen Getreide oder Zuckerrücben für die Ethanolherstellung wachsen. Zehn Prozent des Ethanols stammen laut Bundesumweltministerium aus brasilianischem zuckerrohr. Biodiesel in Deutschland wird "derzeit zu über 95% aus Raps hergestellt" sagt der Verband der Biokraftstoffindustrie. Der Anteil kann sich je nach Marktlage ändern. In anderen EU-Ländern enthält Biodiesel bis zu 30% Palmöl oder Sojaöl, hat Greenpeace anhand von Analysen festgestellt.

International sieht es nicht besser aus. Nicht nur in Europa setzt man auf Biosprit. Auch die USA, China oder Brailien haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt. In den USA werden bereits 40 PRozent der gesamten Maisernte zu Ethanol für Autos verarbeitet. Die Brasilianer verfahren bereits ebensoviel Ethanol wie Benzin. Das alles heizt die weltweite Nachfrage nach Biosprit an. Eine Studie der EU-Kommission geht davon aus, dass sich der weltweite Bedarf an Biodiesel und Ethanol von 2010 bis 2020 verdoppeln wird.
Die Folgen dieses Wachstums sind jetzt schon fatal: "Es werden mehr Flächen für den Anbau von Energiepflanzen verwendet, auf denen zuvor Nahrungsmittel produziert wurden", sagt Evelyn Bahn vom entwicklungspolitischen Netzwerk Inkota. "Die Nachfrage nach Biosprit ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass es zu Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln kommt. Arme Menschen in Entwicklungsländern, die bis zu 80% ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben, können sich nicht mehr genug zu essen kaufen."

Noch ein Problem: "Häufig werden für den großflächigen Anbau der Energiepflanzen zuerst Kleinbauern von ihrem Land vertrieben", erklärt Evelyn Bahn und verweist auf einen Bericht der Weltbank: Allein zwischen Oktober 2008 und Oktober 2009 wurden in Entwicklungs- und Schwellenländern Kauf- und Pachtverträge über 46,6 Millionen Hektar Land abgeschlossen oder angekündigt. Auf einem Drittel der Flächen sollen Spritpflanzen angebaut werden.

Über einen konkreten Fall berichtete im vergangenen Herbst die Organisation Rwttet den Regenwald. Ein Joint Venture des Mineralölkonzerns Shell mit Cosan, dem größten Zuckerproduzenten Brasiliens, baut im Bundesstaat Mato Grosso do Sul die Zuckerrohrproduktion aus - auf dem angestammten Land der dort ansässigen Kaiowá-Guarani. Die Indianer kämpfen seit Jahren darum, zumindest auf Teilen ihres einstigen Stammgebietes leben zu können - und werden immer wieder von bewaffneten Banden vertrieben. Ähnliche Meldungen kommen zuhauf aus Indonesien und Malaysia, wo große Palmölkonzerne wie Wilmar und Sinar Mas die letzten Urwälder roden und die dort heimischen Menschen ihrer Lebensgrundlagen berauben, sie bedrohen und vertreiben.

Das sind noch lange nicht alle Aspekte, die die Biospritproduktion und -nutzung in ein in mehrfacher Hinsicht negatives Licht rücken.

Deswegen tanke ich keinen E10 sondern zahle 3 Cent pro Liter mehr an die Mineralöl-Konzerne, letzlich aber zum Wohle der Umwelt und damit der Welt. Ich kann die Welt nicht direkt verändern, aber mein eigenes Handeln habe nur ICH in der Hand, hier entscheide ICH, was ich tue.

Ich hege seit einiger Zeit die Absicht, mein Benzin-Auto gegen einen Diesel auszutauschen um dem möglicher Weise irgendwann kommenden E10-Zwang zu entgehen. Aber auch im Diesel stecken bis zu 7% Biodiesel, auf den das Gesagte natürlich genauso zutrifft. Da bleibt nur mit dem Autor des diesem Beitrag zu Grunde liegenden Artikels "In den Tank oder auf den Teller?" (Schrot und Korn 02/2012, S. 37 ff.) auf das Fahrrad umzusteigen, "da genügt als Biokraftstoff Apfelschorle!"

In diesem Sinne
Herzliche Grüße
Ihr Gero Seher
Benutzername:

Passwort:

Login automatisch

Passwort vergessen? Jetzt registrieren!
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail